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19.09.2017

Nitrat-Verlagerung in das Grundwasser verringern durch „Regenerative Landwirtschaft“

Die Vorteile der „Regenerativen Landwirtschaft“ hinsichtlich Bodenfruchtbarkeit und Nitrat-Speicherung waren das Thema eines Praxis- und Informationstages in Freiburg. Dieser wurde kürzlich gemeinsam vom Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald, dem Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband sowie dem regionalen Wasser-Versorger badenova veranstaltet.

Referen Dietmar Näser erklärt das Prinzip der Regenerativen Landwirtschaft anhand von Maispflanzen
Referen Dietmar Näser erklärt das Prinzip der Regenerativen Landwirtschaft anhand von Maispflanzen

Der Infotag fand auf dem Betrieb des Landwirts Klaus Schitterer in Freiburg-St. Georgen statt. Rund 40 interessierte Landwirte und Berater aus dem Wasserschutzgebiet Hausen sowie die Studierenden der Fachschule für Ökolandbau des Kompetenzzentrums Ökologischer Landbau Baden-Württemberg (KÖLBW) aus Emmendingen-Hochburg verfolgten die Ausführungen von den Fachreferenten. Ziel der Veranstaltung war es, regenerative Maßnahmen in der hiesigen Landwirtschaft darzustellen, die u.a. die Auswaschung wichtiger Nährstoffe in das Grundwasser wie beispielsweise Nitrat verringern und die allgemeine Bodenfruchtbarkeit erhöhen können.

Die Referenten Dietmar Näser (Grüne Brücke – Büro für Regenerative Landwirtschaft, Neustadt/Sachsen) und Friedrich Wenz (Friedrich Wenz GmbH, Schwanau) gaben zu Beginn eine theoretische Einführung in das Thema “Regenerative Landwirtschaft“. Die Idee dahinter ist, den Kohlenstoff aus der Atmosphäre in den Boden einzubinden und das Bodenleben, vom Regenwurm bis zum Bakterium, zu fördern. Durch Anpassung der Bodenbewirtschaftung und Anbau von Zwischenfrüchten lässt sich eine gesunde Bodenstruktur aufbauen, die die Kulturpflanze stärkt und ihren Ertrag steigert. „Das Ganze ist dazu noch wirtschaftlich, weil mit dem Bodenaufbau eine Ertragssteigerung verbunden ist.“, so Näser. Die Referenten erklärten, dass mit einem intakten Bodenleben und ausreichender Kohlenstoffzufuhr die Auswaschung wichtiger Pflanzennährstoffe in das Grundwasser, vor allem Nitrat, verringert werde und somit der Pflanze zur Verfügung stünde.

Im zweiten Teil der Veranstaltung präsentierten die Referenten einfache Werkzeuge zur Untersuchung der Vitalität von Boden und Pflanze. Dabei gingen sie intensiv auf den Anbau von Mais und Zwischenfrüchten ein. „Der Anbau von Zwischenfrüchten hat dabei besonders positive Auswirkungen auf unser Grundwasservorkommen, vor allem in der Winterzeit, in der es sich neu bildet.“, so Dirk Betting, Leiter Wasser & Abwasser Qualitätssicherung bei bnNETZE. Referent Dietmar Näser wies darauf hin, dass ein dauerhafter Bodenbewuchs wichtig sei, um dem Bodenleben ausreichend Nahrung zur Verfügung zu stellen. „Dieser muss möglichst vielfältig sein, um die verschiedenen Lebewesen in einem gesunden Gleichgewicht zu halten. Dadurch verringert sich auch der Schädlingsdruck merklich, da gesund ernährte Pflanzen einen deutlich höheren, natürlichen Abwehrmechanismus besitzen.“

Nitrat-Verlagerung in das Grundwasser verringern durch „Regenerative Landwirtschaft“

Im nächsten Schritt soll das System der „Regenerativen Landwirtschaft“, welches momentan einen weltweiten Aufschwung erfährt, auf einzelnen Versuchsflächen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald getestet und mit den in der Region üblichen Anbauverfahren bzw. Bewirtschaftungsweisen verglichen werden. Die Fachreferenten ermutigten die Landwirte, diese einfachen, leicht in die Praxis umsetzbaren Methoden anzuwenden und nicht nur mit unterschiedlichen Kultursorten experimentierfreudig zu sein, sondern auch die ein oder andere Scholle mit Zwischenfrüchten und flacher Bodenbearbeitung zu bewirtschaften, um so die Effekte zu testen.

badenova Wasser-Spezialist Dirk Betting: „Seit über 40 Jahren versorgen wir mit dem Wasserwerk Hausen an der Möhlin Freiburg und Umgebung mit Trinkwasser von höchster Qualität. Wir sehen uns als Wasserschützer, die rechtzeitig und proaktiv alle notwendigen Schritte einleiten, um das Grundwasser vor nachteiligen Beeinflussungen zu schützen. Gemeinsam mit der heimischen Landwirtschaft sind wir hier auf einem guten Weg.“

Das Thema Nitrat ist auch Bestandteil des Trinkwasserkolloquiums am 21. September 2017 im Kurhaus in Bad Bellingen. Experten aus der Wasserwirtschaft und der Landwirtschaft betrachten in kurzen Impulsreferaten die Thematik aus ihrer jeweiligen fachlichen Sicht und diskutieren anschließend die vorgestellten Szenarien und Lösungsvorschläge. Die Veranstaltung ist presseöffentlich.

Donnerstag, 21. September 2017 / 9 Uhr / Kurhaus Bad Bellingen

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